Die Novelle “Sire, ich eile. Voltaire bei Friedrich II.” von Hans Joachim Schädlich erscheint pünktlich zum dreihundertsten Geburtstag von Friedrich dem Großen im Rowohlt Verlag. “Sire, ich eile” beleuchtet die Beziehung des französischen Philosophen Voltaire zu dem Preußenkönig Friedrich II. . Es ist eine schwierige Beziehung zwischen den beiden Protagonisten, da sie einerseits beide aufklärerische Ideen, andererseits unterschiedliche Vorstellungen von Macht und Moral haben. Ein unlösbarer Konflikt, es kommt zum Bruch.
Die Novelle “Sire, ich eile” ist in zwei Teile aufgeteilt. Im ersten Teil befasst sich der Hans Joachim Schädlich mit der Lebenssituation Voltaires in Frankreich, der Beziehung zu seiner Geliebten Emilie, Veröffentlichungen seines Gedankenguts, Verfolgung, Androhung von Gefängnis und dem Briefwechsel mit dem Kronprinzen Friedrich von Preußen. Auch die Lebensumstände Friedrich II. in Deutschland werden dargestellt. Als Kronprinz philosophierte er, komponierte und musizierte. Er umgab sich mit Schöngeistern und lud zu Diskussionsrunden ein.
Es kommt zu einem Briefwechsel zwischen Friedrich und Voltaire, der von Friedrich ausging. Er umwirbt schmeichelnd den Philosophen und lädt ihn ein. Voltaires Geliebte Emilie ist misstrauisch und rät ihm ab Friedrich zu treffen, der in der Zwischenzeit König geworden ist. Sie sieht in Friedrich einen Machtmenschen, der Menschen für seine Zwecke benutzt. Voltaire hingegen sieht in ihm einen aufgeklärten, gebildeten und humanen König. Letztendlich kommt Voltaire dem Ersuchen Friedrichs nach und die beiden Treffen sich –ganz nach dem Motto “Sire, ich eile“. Friedrich ist von Voltaire sehr angetan und lädt ihn nach Berlin ein.
Der zweite Teil der Novelle “Sire, ich eile” befasst sich mit der Zeit Voltaires am Hofe Friedrich des Großen. Nach dem tragischen Tod von Emilie und enttäuscht vom Desinteresse des Versailler Hofes, reist Voltaire zum Preußenkönig. Er hofft hier auf einen Gleichgesinnten zu treffen. Voltaire sieht sich als Mentor des Königs. Friedrich möchte sich mit dem berühmtesten Philosophen seiner Zeit schmücken, seinen Ruhm mehren und für seine eigenen philosophischen Schriften als Korrektor benutzen. Es stellt sich bald heraus, dass beide vom Temperament und ihrer Lebensführung sehr unterschiedlich sind. Es kommt zum Bruch. Voltaire will den Hof Friedrichs verlassen, bekommt auch die Erlaubnis, wird dann aber durch Friedrichs Beziehungen in Frankfurt lange festgehalten und gedemütigt. Er bekommt die Macht und Willkür eines Herrschers zu spüren.
Die Novelle “Sire, ich eile” von Hans Joachim Schädlich zeigt die spannungsreiche Beziehung zwischen Friedrich dem Großen und dem Philosophen Voltaire. Sie ist flüssig und komprimiert geschrieben. Sie enthält gut recherchierte historische Fakten. Man merkt daran, dass der Schriftsteller Hans Joachim Schädlich auch Historiker ist.
Ein empfehlenswertes Buch – ein Bonbon, das zum dreihundertsten Geburtsjahr Friedrich II. neugierig auf diesen Herrscher macht.
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Februar 15th, 2012
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